Nach einem Knochenbruch repariert sich der Körper normalerweise selbst: Knochenzellen wandern in den Bruchspalt, bauen neues Gewebe auf, und nach einigen Wochen ist der Knochen meist wieder stabil. Dieser Prozess ist bemerkenswert komplex – er erfordert das Zusammenspiel von Wachstumsfaktoren, Stammzellen, einer guten Durchblutung und stabilen Verhältnissen am Bruchspalt.
Doch manchmal läuft etwas schief. Man spricht von einer verzögerten Frakturheilung, wenn der Heilungsprozess deutlich länger dauert als erwartet – in der Regel mehr als drei bis sechs Monate, je nach Knochen. Kommt es dann zu einem vollständigen Stillstand der Heilung, entsteht eine Pseudarthrose (auch: Nonunion), also ein nicht verheilter Knochenbruch, bei dem sich zwischen den Fragmenten faseriges Narbengewebe statt echtem Knochengewebe bildet.
Laut aktueller Forschungsdaten erleiden in den USA jährlich mehr als 15 Millionen Menschen einen Knochenbruch – und bei 10 bis 15% davon kommt es zu Komplikationen oder einer verzögerten Heilung. In Deutschland sind die Zahlen proportional ähnlich. Besonders häufig betroffen sind:
- Lange Röhrenknochen wie Schien- und Oberschenkelknochen
- Das Schlüsselbein
- Das Kahnbein (ein kleiner Handwurzelknochen)
- Mittelfußknochen (zum Beispiel bei Sportlern mit Stressfrakturen)
Risikofaktoren für eine schlechte Knochenheilung sind unter anderem Osteoporose, Rauchen, Durchblutungsstörungen, Infektionen, eine unzureichende Ruhigstellung oder zu große Knochenlücken.